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Der Ladies Night Market in Hongkong

Wo es fast nichts gibt, was es nicht gibt: Mongkok, das Handelsherz von HongKong

Das von einer sehr hohen Einwohnerdichte (>130.000 Einwohner/km²) und zahlreichen traditionellen Märkten und Einkaufsstraßen geprägte Stadtviertel Mongkok gehört zum zentralen Verwaltungsdistrikt Yau Tsim Mong auf der Halbinsel Kowloon, die sehr geschäftige und lebendige Gegend wird nahezu 24 Stunden am Tag von Handel und Dienstleistungen aller Art bestimmt. Artikel, Waren und Produkte des alltäglichen und nicht so ganz alltäglichen Bedarfs und Gebrauchs kann man hier fast rund um die Uhr und zu oft erstaunlich günstigen Preisen erstehen, allerdings gehören ausgiebiges, geduldiges und trickreiches Feilschen auf allen Märkten häufig zum guten und auch von den lokalen Händlern erwarteten Ton dazu.

So erhält man etwa Elektronik und billige Bücher in der Sai Yeung Choi Street South, in der Temple Street und Hong Kong Temple Street (Männerstraße) gibt es typische lokale Waren und Souvenirs, Hunderte Arten von Singvögeln und handgefertigte wertvolle Vogelkäfige werden auf der Nathan Road und in der Yuen Po Straße beim KCR-Bahnhofes und nahe des Mongkok Stadions angeboten, Sportschuhe aller Marken, Farben und Größen gibt es in der Fa Yuen Street. Bunte Blumen und filigrane Ziergewächse sind in der Flower Market, Goldfische und Aquariumzubehör auf dem Goldfish Market erhältlich, Baumaterialien finden sich Tile Street Ziegelstraße), Schwarzkopien können in der Photocopy Street (Fotokopierstraße) angefertigt werden. Der bekannteste Rotlichtbezirk der Stadt befindet sich in der und um die Portland Street, in der Sino Centre Arcade ist man auf Cartoons, CDs, DVDs und internationale Comics spezialisiert. Das Ho King Shopping Centre hält Computer- Und Videospiele sowie Pornofilme parat, die dafür notwendige Hardware das Mong Kok Computer Centre. Grand Century Place am Verbindungsbahnhof Mong Kok ist ein modernes Shoppingcenter westlicher Bauart, billige Kleidung und Schuhe gibt es im der oft sehr gut besuchten Mong Kok Centre in unmittelbarer Nähe der MTR-Station. Der aber vermutlich auch weltweit bekannteste und in Hongkong bestbesuchte Markt ist sicherlich der bzw. die Ladies‘ Market oder Ladies‘ Street im südlichen Abschnitt der Tung Choi Street zwischen Boundary Street und Dundas Street, wo über 100 verschiedene Stände und kleine Geschäfte Kosmetik, Modeaccessoires, Uhren, Handtaschen und Damenoberbekleidung an jedem Tag des Jahres außer am chinesischen Neujahr von etwa 12.00 Mittags bis 00.00 Mitternacht lauthals und anpreisend feilbieten.

Der Ladies Night Market in Hongkong

Der Ladies Night Market in Hongkong ©TK

Wo Frauenherzen höher schlagen: Alles was (nicht nur) die Damenwelt begehrt

Samt und Seide, Lack und Leder, Latex und Leinen sowie fast sämtliche erdenklichen Natur- und Kunstfasern sind auf dem Ladies Night Market in nahezu jeglicher qualitativer Verarbeitung erhältlich, auch Kinderspielzeug und Kinderkleidung, Unterwäsche und Dessous, Frisierbedarf und Hüte, Schuhe und Sandalen, Tischdecken und andere Gebrauchstextilien, Zubehör für Mobiltelefone, Parfüms und Pflegeöle, Hand- und Badetücher, Krawatten sowie Kleinmöbel, Kissen und Dekorationselemente für die eigenen vier Wände ziehen auf jedem Quadratzentimeter die neugierigen Blicke der gemächlich vorbei ziehenden einheimischen und ausländischen Besucher zuverlässig an. Der bereits im Jahr 1975 eröffnete Ladies Markt ist damit einer der ältesten seiner Art in ganz Hongkong, ursprünglich auf die beiden Straßenkreuzungen der Argyle Street und Shuntang Street mit der Tung Choi Street beschränkt wurde er wegen der sofortigen großen Popularität und dem bis heute anhaltenden immensen Publikumsandrang schon kurze Zeit später auf sein heutiges Areal bis zur oben bereits erwähnten Dundas Street erweitert. Im Rahmen seiner fast vierzigjährigen Erfolgsgeschichte hat sich auch das auf dem Markt angebotene Sortiment sichtlich diversifiziert, so sind heute trotz des auf den ersten Blick irreführenden Namens durchaus auch Artikel für die Herren der Schöpfung im tatsächlich oft unschlagbar günstigen Angebot, ebenfalls in großer Auswahl erhältlich sind Unterhaltungselektronik und Sportgeräte sowie Geschenke und Souvenirs. Wie jedoch ebenfalls bereits kurz beschrieben, sollte man sich als erstmaliger Besucher des Ladies Markts auf die doch sehr direkten, offensiven, animierenden um nicht zu sagen teilweise sogar aggressiven Verkaufsstrategien der erfahrenen und mit allen Wassern gewaschenen Händler vor Ort einstellen. Allgemein wird empfohlen, einen ersten Rundgang entlang der Stände lediglich zur Inspektion potenziell interessanter Produkte sowie für einen Gesamtüberblick und Preisvergleich zu nutzen, hat man sich dann entschlossen, von einem bestimmten Händler mehr über ein bestimmtes Angebot zu erfahren, sollte man sich ebenfalls nach einigen bewährten Faustregeln richten, welche einem meist ein noch besseres Schnäppchen zu machen helfen. So kann man zwar im meist wortreich (auf Englisch) betriebenen Feilschen, welches meist von mit ausholenden Gesten unterstrichenen Beteuerungen der unschlagbar hohen Qualität der Ware sowie von hektischem Tippen auf einem Taschenrechner begleitet wird, tatsächlich bis zu 40 oder gar 50% Nachlass und vor allem auch Mengenrabatt erreichen, grundsätzlich sollte aber auch bedacht werden, dass sich die Preise und deren Handelsmöglichkeiten von Stand zu Stand nur sehr wenig unterscheiden, und die Händler oft auch mehrere Stände mit dem gleichen oder ähnlichen Angeboten betreiben. Wer also meint, mit dem Hinweis auf den am Nachbarstand ausgehandelten Preis bei einem anderen Stand noch mehr Nachlass aushandeln zu können, wird nur selten Erfolg haben, denn natürlich kennen sich die Händler alle untereinander und sorgen mit detaillierten Absprachen dafür, dass niemand von ihnen unter zu geringen Verkaufspreisen zu leiden hat.

Mit psychologischem Geschick zum Konsumentenglück: anpirschen, jagen, erlegen

An vielen Ständen sind die Waren nicht einzeln mit Preisschildern versehen, was von den Händlern deshalb getan wird, um somit je nach Erscheinungsbild des interessierten Kunden unterschiedliche Preisspannen nennen zu können. Doch kann genau diese Strategie auch von geschickten Kunden dazu genutzt werden, um von vornherein sehr niedrige Gebote abzugeben und dann aufmerksam zu registrieren, ob der jeweilige Händler trotzdem noch bereit für weitere Verhandlungen erscheint. Man sollte aber grundsätzlich nicht die ausgeprägten Schauspieltalente der Händler unterschätzen, die mit ebensolchen Versuchen bzw. deren Abwehr ja tagaus tagein zu tun haben. Hat man sich nun für ein Produkt entschieden, sieht den vom Händler trotz langem Feilschen angesetzten Preis noch immer als zu hoch an, kann es mitunter helfen, sich demonstrativ vom Stand zu entfernen, nicht selten laufen einem die Händler dann ein kurzes Stück hinterher und schlagen etwas missmutig in einen noch niedrigeren Preis ein. Und wer sich auch nur ein wenig über die Ausmaße von Raubkopien in Asien Bescheid weiß, ahnt natürlich schnell, dass die überall auf dem Ladies Market als original, jedoch zu Schleuderpreisen angebotene „Markenware“ unmöglich den tatsächlichen Werkstätten namhafter internationaler Unternehmen entstammen kann, ein Logo alleine ist meist schnell und täuschend echt kopiert, bei der Verarbeitung werden jedoch schnell Schwachstellen deutlich. Oft kann es sich aber auch lohnen, den oder die Händler nach weiterer Ware in nahen Lagern oder Hinterzimmern zu fragen, häufig berichten Schnäppchenjäger, dass sie auf diese Weise eine höhere Qualität zu immer noch sehr guten Konditionen ergattern konnten. Fälschungen, Kitsch und Ramsch sind also auf dem Ladies Markt sicherlich größtenteils dominierend, mit einem etwas geschulten Auge können aber durchaus günstige Gelegenheiten erspäht und gute Geschäfte gemacht werden.

Sonntage meiden, Wochentage vorziehen: Anreise, Gastronomie und Umgebung

Speziell an den Wochenenden und Feiertagen kann der Ladies Markt jedoch sehr voll sein, wer es lieber etwas ruhiger hat, sollte deshalb nach Möglichkeit einen Wochentag für seinen Besuch dort vorziehen, jedoch wirkt der Markt auch unter der Woche und besonders in den Abendstunden für europäische Vorstellungen recht überfüllt. Die auf dem Markt angesiedelte Gastronomie fügt sich recht stimmig in das sonst herrschende Gesamtbild ein, zahlreiche Garküchen, kleine Cafés und Restaurants bieten einfache asiatische und auch internationale Speisen wie Pasta, Pizza, Pommes und Hamburger zu meist moderaten Preisen auf bunten Schildern vor ihren Etablissement an, erlesene Spitzenküche sucht man jedoch eher vergeblich. Die Tung Choi Street selbst wie auch die angrenzenden Abschnitte der Sai Yeung Choi Street, Nelson Street und Soy Street sind übrigens von Montag bis Samstag von 16.00 Uhr nachmittags bis 22.00 Uhr abends als Fußgängerzonen für den Autoverkehr gesperrt, an Sonn- und Feiertagen erfolgt die Sperrung bereits von 12.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Am besten erreicht man den Ladies Markt über die MTR-Station Mongkok (Ausgang E2) und einem anschließenden Spaziergang über die Nelson Street entlang zweier Straßenblocks, alternativ hierzu kann man von den Fähranlegstelle „Tsim Sha Tsui Star Ferry Pier“ mit den Buslinien 1, 1A, 2, 6 oder 9 zur Haltestelle Nelson Street Station fahren.

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