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Dialogue in the Dark / Dialog im Dunkeln in Hongkong

Demut und Dankbarkeit im Dunklen lernen: Sich abseits des Sichtbaren bewegen. Schon seit nunmehr mehr als zwei Jahrzehnten erobert ein einfaches, doch ungemein effektives Ausstellungskonzept die vielschichtige Wahrnehmung und das grundlegende Verständnis von vollständig Sehenden für ihre teilweise oder gänzlich blinden Mitmenschen. Ihren Anfang und Auftakt nahmen die heute unter dem Titel „Dialog im Dunkeln/Dialogue in the Dark“ aktuell weltweit in Hong Kong, Shanghai, Chengdu, Hyderabad, Holon, Osaka, Tokio, Seoul, Kuala Lumpur, Singapur, Taipeh, Bangkok, Frankfurt, Hamburg, München, Genua, Mailand, Wien, Moskau und Buenos Aires vertretenen diesbezüglichen Ausstellungen im Dezember 1988 in der Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt am Main.

Das vom damaligen Gründer, dem Redakteur und Dokumentar Andreas Heinecke seinerzeit aufgrund familiärer und beruflicher Begleitumstände von Beginn an in Methodik und Zielsetzung stringent initiierte sowie konsequent weiter entwickelte und heute als eigenständige Marke der „Dialogue Social Enterprise GmbH“ fortlaufende Projekt soll den Alltag und die Lebensumstände von sehbehinderten Menschen mit deren aktiver Mitarbeit für alle „normal“ Sehenden besser verständlich machen und diesen Flexibilität, Vertrauen und Zuversicht in für sie ungewohnten Situationen lehren, was nachweislich der Förderung von Führungsverhalten und Teamgeist, besserem Kommunikationsverhalten und gekonntem Krisenmanagement dient. Mittel hierfür sind Führungen, Workshops und Veranstaltungen aller Art in komplett abgedunkelten Räumen, bei der Lösung komplexer Aufgaben unter Anleitung blinder Kursleiter erlernen die Teilnehmer neuartige Ansätze und Herangehensweisen. Neben den thematisch unterschiedlichen Seminaren im Dunkeln ist auch das „Dinner in the Dark“ eines der vielfach bewährten Angebote der Einrichtungen, um bei einem in völliger Dunkelheit servierten mehrgängigen Menü völlig neue und interessante Sinneseindrücke zu gewinnen.

Dialogue in the Dark

Dialogue in the Dark

Besser zuhören und verstehen ohne zu sehen in der ehemaligen Kronkolonie

Diese ungewöhnliche gastronomische Erfahrung ist auch in der südchinesischen Megametropole Hongkong und ihrer lokalen Filiale von „Dialogue in the Dark“ möglich, dort im Shop 215, 2/F des „Household Centre“ in Nob Hill, MeiFoo, Kwoloon findet in der Regel einmal im Monat das mit Kantonesisch und Englisch zweisprachige Dinner im Dunklen in der Zeit zwischen 19.00 und 21.00 Uhr abends zum Preis von 850 HKD$ pro Person statt. Das von professionellen Spitzenköchen des bekannten Restaurants „Gingko House“ zubereitete dreigängige Menü samt Getränken wird dabei in völliger Dunkelheit serviert und verspiesen, auf diese Weise erhalten die Düfte, Gerüche und Geschmäcker der Gerichte wie auch deren Textur und Konsistenz eine ganz andere und teils unerwartete Wertigkeit, über die Abfolge der einzelnen Speisen wie auch deren Zutaten werden die Gäste ebenfalls ganz bewusst im Unklaren gelassen. Das Menü ist auf Wunsch auch als vegetarische Variante erhältlich, individuelle Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten werden ebenso berücksichtigt wie persönliche Platzierungswünsche an den insgesamt vier Tischen mit je 6 Stühlen (je nach Gruppen- und/oder Einzelbuchung.) Selbstverständlich sind die sanitären Anlagen der Einrichtung im Gegensatz zum Speisesaal permanent und ausreichend erleuchtet, das Personal führt einen dort bei Bedarf hin und auch wieder zurück. Die im Jahr 2008 eröffnete Zweigstelle von „Dialogue in the Dark“ in Hongkong bietet darüber hinaus auch eine Geburtstagsfeier als „Birthday in the Dark“ an, dazu gehören natürlich eine Geburtstagstorte, die man jedoch im Dunklen erst einmal finden und dann auch gerecht in gleich große Stücke zerteilen muss, auch die in völliger Dunkelheit von den Gästen auf die Geburtstagskarte geschriebenen Glückwünsche sorgen zurück im Licht meist für große Heiterkeit.

Experiential Exhibition und Experiential Tour: Rollentausch und Erkenntnisgewinn

Ein Erlebnis der ganz besonderen und unvergleichlichen Art ist auch die 75 minütige Erfahrungstour durch die Erfahrungsausstellung, die fünf verschiedenen und unterschiedlich nach den Parametern Textur, Geräuschen, Geruch und Geschmack gestalteten Bereiche sind natürlich ebenfalls völlig dunkel gehalten. In Umkehrung sonst üblicher Rollen werden hier die Sehenden von den blinden oder sehbehinderten Mitarbeitern durch die Ausstellung geführt. Die Tour wird auf Englisch, Kantonesisch und Mandarin angeboten, für eine Gruppenanmeldung sind mindestens 16 Teilnehmer notwendig, aus Gründen der Sicherheit darf jedoch nur ein Teilnehmer Rollstuhlfahrer, hörgeschädigt, autistisch, geisteskrank oder geistig unterentwickelt sein. Die Touren sind in den beiden Arten Plan A oder C bzw. Plan B oder D absolvierbar, bei der Erstgenannten findet eine kurze Einführung in die Arbeit von „Dialogue in the Dark“ von etwa 15 Minuten vor der Tour statt, bei der zweiten gibt es die Erläuterung danach. Gruppenbuchungen müssen 3 Wochen vor dem Besuch getätigt werden, dazu nutzt man das online verfügbare Buchungssystem. Kinder unter 12 Jahren müssen von einem Erwachsenen begleitet werden, für Kinder unter 8 Jahren und einer Körpergröße von weniger als 95 cm empfiehlt sich die Teilnahme hingegen nicht. Taschenlampen, Feuerzeuge und andere mobile Lichtquellen sind in der Ausstellung nicht erlaubt, das Gleiche gilt für Rucksäcke und Gürteltaschen, Handys, Kameras, fluoreszierende Gegenstände jeglicher Art und Größe sowie Speisen, Getränke oder Kaugummi, auch ein elektrischer Rollstuhl darf nicht mitgenommen werden, ein mechanischer Stuhl steht jedoch bei Notwendigkeit bereit. All diese persönlichen Wertsachen und Accessoires können aber genau wie Brillen in den Schliessfächern für die Dauer der Tour sicher deponiert werden, darüber herrscht in allen Räumen striktes Rauchverbot, welches bei Zuwiderhandlung zum sofortigen Ende der Führung führt. Den Besuchern wird ein weißer Blindenstock ausgehändigt, die Gäste sollten Klein- bzw. Münzgeld mit sich führen, da große Banknoten nicht akzeptiert werden, grundsätzlich wird von allen Teilnehmern ein respektvolles Verhalten und ein angemessener Ton erwartet.

Mit Bus und Bahn zu Training und Workshops in die Stille und Dunkelheit fahren

Das von Dienstags bis Sonntags (Montag Ruhetag) sowie an offiziellen Feiertagen immer von 10.00 Uhr vormittags bis 19.30 Uhr abends geöffnete Etablissement ist am besten über die MRT-Station MeiFoo (Ausgang C1) mit anschließendem ca. 7 bis 10 minütigen Spaziergang vorbei am Lai Chi Kok Regierungsbüro oder via die beiden Busstationen Lai Chi Kok Bus Terminal (Linien 6, 171, 904 und 905) oder Lai Wan Road (Linien 30, 42, 45, 46 und 46X) zu erreichen. Die Eintrittspreise richten sich nach Alter (Schüler und Studenten unter 18 Jahren und Senioren über 60 erhalten eine Ermäßigung, sonstige Erwachsene zahlen den vollen Betrag) und bewegen sich zwischen 65 und 130 HKD$ unter der Woche sowie 80 und 160 HKD$ an den Wochenenden, die Touren finden alle 15 Minuten von Neuem statt, im Rahmen ebenfalls vorab buchbarer Veranstaltungen wird auch der „School Activity Day“ als pädagogisch wertvoller Klassenausflug angeboten. Wie an anderen „Dialogue in the Dark“ Stützpunkten ebenfalls üblich, werden auch in Hongkong Mitarbeiterteams und Betriebsbelegschaften anhand der besonderen Voraussetzungen in den dunklen Räumen speziell geschult, die hier zur Verfügung stehenden Programme werden im Bereich „Dialogue Experience Square“ zusammengefasst. Zusätzlich zu dem „Dialogue in the Dark Workshop“ wird auch der „Dialogue in Silence Workshop“ mit blinden bzw. tauben Kursleitern durchgeführt, komplette Dunkelheit bzw. Stille über mehrere Stunden soll das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Kooperationsbereitschaft von Kollegen untereinander stärken, analog zu den weiter oben gemachten Ausführungen zum dunklen Dinner gibt es hier auch das stille Dinner, bei dem zur Kommunikation lediglich Körper- und Zeichensprache sowie Gestik und Mimik zulässig sind. Eine sehr populäre Veranstaltung ist auch das „Silence le Cabaret“, bei der eine Gruppe von tauben Darstellern in völliger Stille die Zuschauer unterhält und in ihre Darbietungen einbezieht, während diese ein dreigängiges Menü zu sich nehmen. Namhafte internationale Großkonzerne wie zum Beispiel der Möbelgigant IKEA, die Bank DBS, das thailändische Verkehrsunternehmen Mass Transit Railway (MTR), der Versicherungskonzern Allianz, der Schweizer Dienstleistungs- und Handelskonzern DKSH Holding AG und die Tochterfirma Sulwhasoo des koreanisches Kosmetikherstellers Amorepacific Corporation haben ihre Mitarbeiter schon erfolgreich an den Programmen von „Dialogue in the Dark“ in Hongkong teilnehmen lassen. Das von den lokalen Partnern ACME Business Consulting, L3 Leadership Consulting Co. Ltd​., Social Ventures Hong Kong, Hong Kong Social Entrepreneurship Forum und World Green Organisation großzügig logistisch unterstütze Projekt bietet auch zahlreiche sichere und ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeitsplätze für Sehbehinderte und Gehörlose.

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