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Essen in Hongkong

Wer die chinesische Weltmetropole Hongkong (chinesisch: 香港 Xiānggǎng) besucht, kann sich nicht nur auf überwältigende Bauten und Brücken freuen, sondern auch auf freundliche Gastgeber, atemberaubende Parks und kulinarisches Essen. Die Hongkong-Küche ist geprägt von vielen Einflüssen, denn in der 7-Millionen-Metropole leben unterschiedliche Kulturen auf rund 1080km² (zum Vergleich: Berlin ist 890 km² groß), die alle ihre Vorlieben in Bezug auf das Essen haben. Natürlich gibt es in Hongkong auch Fastfood-Ketten, aber diese sollte man meiden, da die Hongkong-Küche viel, viel mehr zu bieten hat. Wer Hongkong besucht, wird schnell wissen, wieso die Stadt die kulinarische Hauptstadt Asiens genannt wird.

Da die meisten Einwohner Hongkongs chinesischer Abstammung sind, ist die Küche sehr chinesisch geprägt. Das heißt, dass das Essen selten sehr scharf ist (anders als in Indien) und dass die Zutaten für das Essen immer sehr frisch sind. Die chinesische Küche lässt sich in unterschiedliche Regionalküchen einteilen, denn das Land ist so groß, dass die Geschmäcker und Vorlieben vehement abweichen. In Hongkong wird zu 90% nach der kantonesischen Küche gekocht: Fast jedes Gericht wird im Wok zubereitet und Reis und frisches Gemüse fehlen bei keinem Menü. In Hongkong vermischt sich der Orient mit dem Okzident und westliche und östliche Geschmacksrichtungen treffen aufeinander. Ein echtes Highlight für jeden Gaumen. In Hongkong gibt es ca. 11.000 Restaurants, die die klassische chinesische Küche, Haute Cuisne und eine bodenständige Küche anbieten – damit sind die so genannten Garküchen gemeint, in den es Dim Sum gibt. Dim Sum nennt man in Hongkong jedes kleine Gericht, das gegart oder fritiert wird. Die Dim Sum-Küchen findet man nahezu an jedem Straßenrand – an einem dieser Straßenküchen sollte man auf jeden Fall einmal essen, denn es schmeckt köstlich und die Preise sind sehr günstig. Dim Sums sind unter anderem Frühlingsrollen, Baozi (gefüllte Teigtaschen), Xiǎolóngbāo (mit Fleisch oder Fisch gefüllte Teigtaschen) oder Mantou (ein weiches Dampfbrot aus Weizenmehl). Zu einem richtigen Dim Sum gehört immer eine Tasse Tee – und Touristen sollten sich nicht wundern, wenn Chinesen diese kleine Appetithäppchen Dim Sam nennen, denn die in Europa allgemein übliche Schreibweise Dim Sum gibt die kantonesische Aussprache wieder. Und kantonesisch ist die meist gesprochene Sprache in Hongkong (neben Englisch).

Essen in Hongkong

Essen in Hongkong ©iStockphoto/noriri

Die unterschiedlichen Regionalküchen im Überblick

Die Kanton-Küche

Praktisch jede Mahlzeit in Hongkong besteht aus einer Reisbeilage. Die Kanton-Küche ist aber für ihre Vielfalt und Frische bekannt. Es wird viel regional angebautes Gemüse gegessen wie zum Beispiel Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Kopfsalat, Tomaten, Kartoffeln und Sojabohnen. In größerer Menge wird Fleisch vom Schwein und Rind und in Küstennähe wird vermehrt frischer Fisch und Schalentiere gegessen. Die Kanton-Küche ist nicht sonderlich scharf und es wird nur dezent mit Ingwer, Frühlingszwiebeln, Sojasauce, Reiswein, Austern-, Hoisin- oder schwarzer Bohnensauce gewürzt. Nur so kann der Eigengeschmack aller Zutaten bewahrt werden. Üblicherweise werden alle Gerichte nur gegart oder kurz angebraten, gedämpft bzw. gedünstet und geröstet. Auch in Hongkong ist es üblich, manche Speisen roh zu essen. Zum Frühstück gibt es in Hongkong so gut wie nie Brot oder ähnliches, sondern nur eine Nudelsuppe, die auch zum Mittagessen, das meistens erst abends eingenommen wird, gereicht wird. Die Dim Sum, die kleinen Snacks, werden anders als in Europa nicht als Nachspeise, sondern als Vorspeise serviert. Dim Sums können herzhaft oder süß sein – besonders lecker ist der Wasserkastanienkuchen, der auch Pferdehufkuchen genannt wird (kantonesisch: 馬蹄糕,mǎtígāo). Ein Sprichwort sagt, dass alles „was vier Beine hat, mit Ausnahmen von Tischen, gegessen werden kann – deswegen sollte man nicht überrascht oder abgeschreckt sein, wenn auf der Speisekarte Insekten oder andere exotische Tiere angeboten werden. Die Hongkonger mögen es sehr. Man muss aber keine Angst haben, dass Katzen oder Hunde in den Kochtopf gelangen, denn Haustiere zu verarbeiten, ist seit vielen Jahren in China untersagt und wird strafrechtlich verfolgt.

Die Peking-Küche

Obwohl Peking mehr als 2300km entfernt ist, beherrscht die Küche auch den Süden des Landes und begeistert Einheimische wie Besucher. Diese Küche ist besonders geprägt von der Mongolei und der Shandong, einer Region an der Ostküste Chinas. In der Peking-Küche wird vermehrt Hammel und Lamm gegessen und als Shandong kommt die Vorliebe für Knoblauch und Zwiebeln hinzu. Demnach ist die Peking-Küche etwas deftiger als die Kanton-Küche. Das wichtigste Gemüse der Peking-Küche sind Chinakohl, Gurken und Sellerie – als Beilage gibt es meistens Reis, Hirse oder Mais. Typische Gerichte der Peking-Küche sind Nudelsuppen und gefüllte Teigklöße, die so genannten Baozi. Deutsche Urlauber können diese Leckereien mit Maultaschen vergleichen – sie schmecken großartig. Zum Essen wird meist ein Shaobing gereicht – dies ist ein kleines Brot, das seinen Ursprung im Iran hat und mittlerweile auch in Hongkong und im restlichen China gerne gegessen wird. Besonders beliebt in der Peking-Küche ist süß-saurer Fisch. Vorrangig wird in der Peking-Küche der Karpfen gegessen. Sehr bekannt bei deutschen Touristen ist die Peking-Ente, die es in fast jedem deutschen Restaurant gibt. So auch in Hongkong. Da die Zubereitung aber sehr aufwendig ist, gibt es dieses Gericht nur in guten Restaurants und selten an einer Garküche am Straßenrand. Die Enten für dieses Gericht werden eigens gemästet. Ein weiteres kulinarisches Highlight sind die so genannten Acht Köstlichkeiten. Zu Kaiserzeiten wurden hier Kamelhöcker oder Bärentatzen angeboten – heute sind es Huhn, Rind, Schwein und Gemüse.

Die Sichuan Hunan Küche

Sichuan ist die dichtbesiedelste Provinz Chinas und wird gerne als Reiskammer Chinas bezeichnet. In dieser Küche ist es üblich, dass das Gemüse frisch eingelegt wird, damit es mehr an Geschmack gewinnt. Chinakohl, Knoblauch und Bambussprossen gehören hier zu fast zu jedem Essen dazu. Wer es nicht besonders scharf mag, sollte bei dieser Küche aufpassen, denn hierbei wird gerne und ausreichend Chili und Szechuanpfeffer, der auch japanischer Pfeffer genannt wird, verwendet – deswegen gilt die Sichuan Küche als die schärfste Küche Chinas. Die Zutaten für die Gerichte dieser speziellen Küche stammen meist aus den Bergen, Süßwasserseen und Flüssen. Wer ein typisches Gericht dieser Küche probieren möchte, sollte eine Suan La Tang Suppe essen. Diese besteht aus getrockneten Lilienknospen, Pilzen, Bambussprossen, angedicktem Hühner- oder Entenblut, Sesamöl, Weinessig und manchmal gibt es eine Fleischeinlage dazu. Wer Erdnüsse mag, sollte unbedingt Gong Bao Ji Ding probieren: Ein Huhn wird mit getrockneten Mandarinenschalen im Wok zubereitet. Obwohl im Mapo Doufu Tofu enthalten ist, ist dieses Gericht nichts für Vegetarier, denn die zweite, wichtige Zutat dieses Gerichts ist Hackfleisch. Die Hunan Küche unterscheidet sich nicht großartig von der Sichuan Küche – bei den Gerichten dieser Küche gibt es vermehrt Fisch und Huhn. Das Essen ist aber mitunter genauso scharf – und lecker.

Die Fujian Küche(auch Fukien-Küche genannt)

Diese Küchenart ist im westlichen Teil der Welt weniger bekannt – das mag vielleicht an der etwas schwierigen Schnitttechnik bei der Zubereitung der Speisen liegen oder an aufwendigen Arten und Weise, diese dann zu präsentieren. Zudem nimmt die Zubereitung einiger Gerichte sehr viel Zeit in Anspruch, weil der Garvorgang bei dieser Küche länger dauert als der der Peking- oder Kanton-Küche. Der Geschmack der Fujian Küche ist als süß-sauer zu bezeichnen. Generell sind die Speisen etwas süßer und weniger scharf als im restlichen China. In der Fujian Küche wird mit Essig, Sojasauce und Reiswein gewürzt und Ingwer, Frühlingszwiebeln und Zucker dürfen auch niemals fehlen. Die Fujian Küche stammt aus Küstennähe und die Fische, die zubereitet werden, stammen meist aus dem Yangtse, dem längsten Fluss Chinas. Die Fujian Küche ist für das so genannte Rotkochen bekannt: Man kocht Fleisch oder Meeresfrüchte auf kleinster Flamme und fügt Essig und Sojasauce. Man lässt alles so lange köcheln, bis das Gericht rot wird. Das kann mitunter zwei bis drei Tage dauern. Ein weit verbreitetes Gericht, das den lustigen Namen „Buddha hüpft über die Mauer“ (Fo Tiao Qiang) trägt, besteht aus bis zu 30 verschiedenen Zutaten. Gegart wird Fo Tiao Qiang in einem traditionellen Reisweinkrug und für die westliche Welt könnte es etwas erschreckend sein, dass auch Schnecken, Seidenraupen und Frösche in dem Essen enthalten sein können. Aber probieren sollte man das Essen auf jeden Fall!

Die besten Restaurants in Hongkong und was sie bieten

Im Ortsteil Tung Lo Wan (chinesisch 銅鑼灣) gibt es nicht nur die teuerste Einkaufsstraße der Stadt, sondern unzählige Sterne-Restaurants, die großartiges und einzigartiges Essen anbieten. Viele von ihnen befinden sich in Hotels, sodass man beim Essen der kulinarischen Köstlichkeiten einen atemberaubenden Blick auf Hongkong hat. Wer in eines der Top Ten-Restaurants in Hongkong speisen möchte, sollte ins

Din Tang Fui

gehen (68 Yee Woo Street). Im Din Tang Fui wird taiwanesisch gekocht und wie in Asien üblich kann der Gast bei der Zubereitung der Speisen zusehen. Im

Hotel Amber at the Landmark Orient

gibt es nicht nur ausgezeichnetes Essen, einen überragenden Service, sondern auch den besten Seeigel aus Hokkaido. Das Hotel ist in der Queen’s Road No.15, The Landmark. Dass die Hongkonger nicht nur regional kochen können, beweist das

Lung King Heen

in der Finance Street 8. Hier kocht der Koch exquisit französisch und erfreut seine Gäste mit wahren Gaumenhochgenüssen. Chefoch Vincent Thierry gehört zu den besten Köche der Welt – dass man vom Dach des Restaurants einen überwältigen Blick auf den Hafen Hongkongs hat, sei nur nebenbei erwähnt. In der 181 Queen’s Road gibt’s einen guten Italiener (

Gaia Ristorante

), der laut Einheimischen die beste Pizza der Stadt zubereitet. Das

Bo Innovation

(60 Johnston Road in Wan Chai) bietet eine extravagante Küche, die ihren Preis hat. Aber dafür kocht Sternekoch Alvin Leung an guten Tagen das wohl beste Essen der Welt- falls man offen ist für die so genannten Molekularküche. Wer in Hongkong Island an der

Stanley Bay

essen gehen möchte, wird nicht nur mit einem einzigartigen Meerblick belohnt, sondern mit vielen herausragenden Restaurants, die sehr guten Fisch zubereiten und auch Meerestiere auf eine ganz besondere Art und Weise zu einem Menü zusammenfügen. Das

Boat House

in der Stanley Main Street bietet mehrere Restaurants, sodass jeder hungrige Tourist das richtige Gericht für sich finden wird. In dieser Region sollte man auf jeden Fall auf Rind, Schwein oder Lamm verzichten, denn der Fisch ist frisch und schmeckt hier so gut wie in kaum einem anderen Viertel in Hongkong. In der

Ashley Road

gibt es nicht nur exzellente Einkaufsmöglichkeiten, sondern hervorragendes Essen. Nicht umsonst wird dieses Viertel auch als kosmopolitischer Food District bezeichnet. Die Auswahl der Speisen hier ist so vielfältig wie die kulturellen Einflüße, die sich in diesem Stadtteil näher kommen. Wer landestypisch essen möchte, und das sollte man, wenn man in Hongkong ist, sollte in das ehemalige Industrieviertel

Kowloon City

gehen. Dieses Viertel ist ein beliebtes Jagdrevier für Gourmets und der Schwerpunkt der Restaurants in Kowloon City liegt auf asiatischen Spezialitäten. Südostasiatisches, thailändisches, kantonesisches Essen sowie lokale Desserts sind in preisgünstigen Lokalen zu genießen.

Die besten und beliebtesten Gerichte Hongkongs

Dim Sum

Kleine Köstlichkeiten, die das Herz berühren – das bedeutet Dim Sum. Probieren sollte man unbedingt gedämpfte Krabbenteigtaschen, Shao Mai (chinesische Teigtasche, die mit Schweinemett gefüllt ist und mit Krebsrogen garniert wird), Cheung Fen (eine dünne Reismehlrolle mit Krabben-, Schweine- und Rindfleisch) und Frühlingsrollen.

Fisch und Meeresfrüchte

Hongkongs Fische und Meeresfrüchte werden meist frittiert, gedämpt, gegrillt oder gewürfelt. Und all das sehr frisch. So frisch, dass das Gericht Minuten zuvor noch im Wasser geschwommen ist, bevor es auf dem eigenen Teller landet. Probieren sollte man unbedingt gedünsteten Fisch, kurzgebratenen Fisch, kurzgebratenen Krebs mit einer würzigen und scharfen Knoblauch-Chili-Sauce, gebackenen Krebs oder betrunkene Krabben, die während der Zubereitung in Alkohol mariniert werden.

Gegrillte Köstlichkeiten

Auch in Hongkong wird Fleisch gegrillt – und das meist vor den Augen der Gäste. Probieren sollte man unbedingt ein Char Siu – das ist ein mit Honig, Gewürzen, vergorenem Tofu und Reiswein gewürztes Schweinefleisch. Ebenso zu empfehlen sind gegrillte Gänse in Pflaumensauce oder ein klassisches Spanferkel.

Fusionsküche

Die Köche in Hongkong sind sehr experimentierfreudig. Probieren sollte man unter anderem ein sautiertes Garoupafilet gefüllt mit Fischmagen in Trüffelsoße und geschichteter Eiercreme – vorausgesetzt, man erhält noch einen Tisch im City Garden Hotel. Eine gebackene Käsetorte wird es in mehreren Restaurants geben und dieser Nachtisch verbindet wie kein anderer westlichen Käsekuchen mit einer doppelten Schicht Pudding.

Für anspruchsvolle Genießer

Seitdem Hongkong zu einem internationalen Wirtschaftszentrum aufgestiegen ist, hat sich in der Stadt eine renommierte Spitzenküche etabliert. Sehr viele Restaurants der Stadt verfügen über einen oder mehreren Michelin-Sterne. Die gehobene Küche findet sich traditionell in den Hotelrestaurants. In Hongkong allein gibt es 30 Hotels mit 5 Sternen.

Fazit

Das Thema Essen beschäftigt sich in Hongkong nicht nur mit dem „Was“ und „Wo“, sondern auch mit dem „Wann“. Hongkong-Besucher werden aber zu jeder Tages- und Nachtzeit all das essen können, worauf sie gerade Lust haben. Hongkong ist eine absolute Stadt der Superlative und lässt kulinarisch keinerlei Wünsche offen. 胃口好 – sprich wèikǒuhǎo. Das heißt: Guten Appetit!

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